Ein Plädoyer für die oft Übersehenen, für all die Vergessenen 

Vergessene

Oft kommen Interessenten ins Tierheim, um sich hier einen neuen Mitbewohner zu suchen, dem sie ein besseres Leben ermöglichen möchten. Wir Tierheim- Mitarbeiter freuen uns für und über jede Katze, die ein neues Zuhause findet, aber leider bleiben uns häufig diejenigen, die es am nötigsten hätten, erhalten, obwohl sie nicht weniger liebenswert sind als all die jungen, "niedlichen" Charmeure. Viele dieser vermeintlich agressiven ehemaligen Streuner sind einfach nur total verunsichert, ängstlich, haben in der Vergangenheit schlechte odernoch gar keine Erfahrung mit der Gattung Mensch gemacht. Für diese Katzen braucht man ganz ganz viel Zeit, Geduld und Liebe, aber es lohnt sich! Hat man ihr Vertrauen gewonnen, hat man einen Freund fürs Leben gewonnen. Ettliche unserer scheuen Katzen sind untereinander sehr verträglich und eignen sich prima als Kumpel für schon vorhandene Katzen im Haushalt, bei denen sie sich dann abschauen können, dass wir Menschen doch nicht so übel sind, wie sie vielleicht anfangs denken mögen.

Im Moment befinden sich etwa 20 "schwer vermittelbare" Katzen im Tierheim. Unter anderem "Leo", der seit über einem Jahr bei uns wohnt und uns in dieser Zeit täglich angefaucht, gespuckt und aus seiner Höhle nach uns geschlagen hat. Vor zehn Tagen aber hat er sich überlegt, das Experiment Mensch zu wagen und lässt sich seitdem täglich von seiner aktuellen Bezugsperson streicheln, siehe Videos:

Leo früher:

Leo heute, auf Schmusekurs:

Ein weiterer solcher Kandidat ist Rumpel. Auch er hat anfangs Gift und Galle gespuckt. Er hat jetzt so viel Vertrauen, dass er sich aus seiner Höhle heraus streicheln lässt, woran bis vor kurzem noch nicht mal dran zu denken war, siehe Videos:

Rumpel gegenüber Fremden:

Rumpel heute, wenn er Vertrauen gefasst hat:

Im Tierheimalltag bleiben, wenn überhaupt, täglich nur wenige Minuten, sich mit den einzelnen Katzen zu beschäftigen, umso mehr freuen wir uns deshalb über solche Erfolgsgeschichten. Und es zeigt, dass es sich wirklich lohnt! Natürlich können wir nicht garantieren, dass es in 100% der Fälle klappt, aber einen Versuch ist es allemal wert, zumal die Voraussetzungen in einer ruhigen, liebevollen Umgebung mit deutlich mehr Zeit, Ruhe und Geduld bei weitem besser sind als im doch häufig sehr hektischen Tagesablauf im Tierheim.

Bei Interesse oder Fragen melden Sie sich gerne bei uns, Ansprechpartnerin ist Frau Böker.

JB

Eine Auswahl unserer "Vergessenen":

Beweise:

 

Anmerkungen des Webmasters: Dies kann ich nur bestätigen. Wer von uns wäre von einer neuen, lauten, vollen und unbekannten Umgebung nicht zuerst abgeschreckt, würde sich verkriechen und / oder aggressiv reagieren, um sich vermeintlich zu schützen? Völlig normal. Für so eine kleine Katze sind wir Menschen ganz schön riesig, ungeheuer stark und gerade zu Beginn (bei der medizinischen Versorgung) kann es auch schon einmal unangenehm werden. Da ist es viel zu viel verlangt, dass katz gleich wieder fröhlich und dankbar in die Welt blickt. Der Webmaster hat zwei solche Schisser hier, und diese sind das größte Geschenk: Sie vertrauen, sind anhänglich, lassen sich anfassen und fordern auch ihre Streichel- und Spielzeit ein. Aber sie sind Katzen geblieben, ursprünglich im Verhalten, misstrauisch gegenüber Fremden und unklaren Situationen, das macht das Leben mit ihnen so spannend. Bei den "Charmeuren" sollte man sich einesdeutlich machen: Katzen, die offen auf alles zugehen, keine Angst kennen und lachend in die Welt blicken, wollen ausgelastet werden. Meist sind es Freigänger, die viel Beschäftigung, Kontakt zu Mensch und Tier brauchen und gerne auch die Wohnung auseinandernehmen, alles untersuchen und öffnen. Das unterschätzen viele oft. So jemand wohnt hier auch noch, dieser Kater will deutlich mehr Zuwendung als die länger hier wohnenden beiden "typischen Katzen". 

Alle Charaktere sind liebenswert und haben ihre Berechtigung, frau und man sollte sich nur selbst klar werden, was überhaupt geboten werden kann und gewünscht wird. Deshalb ist dieBeratung vor Ort am wichtigsten und ein bisschen Vetrauen in das Urteil der Mitarbeiter notwendig. Die zwei Katzen, die einen vor Ort noch anfauchen und böse beäugen, können sich nach wenigen (absolut spannenden!!!) Wochen zu Hause schon als die ideale Wahl fürs Leben herausstellen. Katzen sind keine Hunde, sie brauchen Zeit und werden immer etwas "eigen" bleiben.